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Hallo zusammen, am Dienstag hatte ich einen Zahnarzt Supergau. Mir wurde ein Abdruck für eine Vollprothese genommen, im Oberkiefer drei gelockerte Zähne zwischen Lockerungsgrad 2 bis 3. Ich äußerte Bedenken, dass die Zähne mit raus gehen, die ZA zuckte nur mit den Schultern, bekam keine Antwort. Sagte nur, oben wird es nicht ganz so fest wie unten. Dann begann der Horrortrip, das Abdruckmaterial wurde extrem fest und die Ärztin brachte es nur noch auf radikale Art und Weise heraus. Ich hatte das Gefühl mein Oberkiefer bricht gleich, ganz zu Schweigen von den Schmerzen der brutal rausgezogenen Zähne. Meine Halswirbel sind stark in Mitleidenschaft gezogen worden, habe frisch ausgeheilten Bandscheibenvorfall... Ich denke, es gäbe für lockere Zähne ein anderes Abdruckmaterial? Warum machen Zahnärzte sowas mit ihren Patienten. Mir graut nun sehr vor allen weiteren Behandlungen. Das ganze dauerte ca eine Viertel Stunde, bis der Löffel sich gelöst hat. Ich vermute, dass sie es auch zu lange im Mund gelassen hat und es immer fester geworden ist? Das war sehr Mittelalterlich. Vertrauen futsch. Kann ich mittendrin noch Wechseln, oder muss ich bei dieser Ärztin bleiben?

Liebe Grüße Petra
von

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Liebe Petra,

zuerst einmal tut es mir sehr leid, dass Sie eine derart traumatische Erfahrung machen mussten. So etwas darf in der modernen Zahnmedizin nicht passieren, und Ihre Reaktion – Schmerzen, Schock, Vertrauensverlust – ist absolut verständlich.

Ich gehe Ihre Fragen der Reihe nach durch:

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1. Abdruck bei gelockerten Zähnen (Lockerungsgrad 2–3)

Bei Zähnen, die so stark gelockert sind, besteht tatsächlich ein hohes Risiko, dass sie beim Abdruck im Material stecken bleiben.

Das bedeutet:

Ein normaler, fest abbindender Abdruck ist nicht die erste Wahl.

Man nutzt stattdessen schonendere Alternativen:

Weicheres Abdruckmaterial (z. B. sehr elastische Silikone)

Abdruck in zwei Schritten, um Zugkräfte zu reduzieren

Digitaler Intraoralscan, wenn möglich (hier besteht keine Gefahr des Herausziehens)

Vorherige Stabilisierung oder Entfernung extrem mobiler Zähne

Die Vorgehensweise Ihrer Zahnärztin war in diesem Kontext zumindest nicht optimal geplant.

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2. „Das Material wurde extrem fest“ – war es zu lange im Mund?

Ja, das ist möglich.

Viele Abdruckmaterialien (besonders Alginat auf Schnellbindung) werden:

nach der Abbindefrist immer härter,

verlieren ihre Elastizität,

lassen sich dann nur noch mit erheblichem Kraftaufwand lösen.

Ein korrekt geführter Abdruck:

wird rechtzeitig herausgenommen,

wird immer mit kontrollierten, gleichmäßigen Bewegungen gelöst,

darf keine Gewalt und keine 15 Minuten dauern.

Eine Viertelstunde ist definitiv zu lang und spricht für ein Problem beim Handling.

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3. Schmerzen, Zähne wurden herausgezogen – ist das „normal“?

Nein.

Dass gelockerte Zähne herausgehen kann passieren, aber:

Es muss vorher klar besprochen werden.

Der Patient muss informiert und einverstanden sein.

Die Methode muss so schonend wie möglich sein.

Eine Situation, in der Sie das Gefühl haben, „der Kiefer bricht gleich“, ist nicht akzeptabel.

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4. Auswirkungen auf Nacken/Halswirbelsäule

Sie schreiben von einem frisch ausgeheilten Bandscheibenvorfall – auch hier gilt:

Längeres Festhalten, starkes Ziehen oder ruckartige Bewegungen dürfen nicht vorkommen.

Patienten mit HWS-Problemen brauchen angepasste Positionen und sanfte Behandlungsabläufe.

Ihre Beschwerden danach sind durchaus nachvollziehbar.

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5. „Warum machen Zahnärzte sowas?“

In der Regel nicht aus Absicht.

Häufige Ursachen sind:

Zeitdruck

Unterschätzung der Situation

Unterschätzte Materialhärte

Fehlende Erfahrung im Umgang mit stark gelockerten Zähnen

Kommunikationsprobleme

Aber: Der Patient hat immer ein Recht auf eine sanfte, transparente und sichere Behandlung.

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6. Darf ich mitten in der Behandlung den Zahnarzt wechseln?

Ja.

Sie sind zu keinem Zeitpunkt an eine Praxis gebunden.

Sie können jederzeit:

die Praxis wechseln,

eine Zweitmeinung einholen,

Unterlagen und Abdrücke anfordern (dazu sind Praxen gesetzlich verpflichtet).

Es ist absolut legitim, nach so einer Erfahrung einen anderen Behandler aufzusuchen.

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7. Was ich Ihnen konkret empfehle

Suchen Sie sich eine Praxis, die ruhig, einfühlsam und prothetisch erfahren ist.

Fragen Sie explizit nach digitalem Abdruck, um solche Situationen künftig zu vermeiden.

Lassen Sie Ihre HWS-Beschwerden ggf. ärztlich dokumentieren (nur falls Probleme bestehen).

Lassen Sie sich Zeit, das Vertrauen in eine neue Praxis wieder aufzubauen.

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Fazit:

Nein, das war nicht „normal“. Es gab bessere, schonendere Alternativen. Und ja – Sie dürfen jederzeit den Zahnarzt wechseln. Ihr Gefühl, dass das ganze Vorgehen nicht richtig war, ist absolut berechtigt.
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