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ch hatte vor mehreren Jahren Karies im Backenzahn, der leider von außen nicht sichtbar war und da mein Zahnarzt nur bei Beschwerden röntgt, wurde dieser erst entdeckt, nachdem ich Schmerzen hatte und der Karies schon sehr nah an der Wurzel war. Mein Zahnarzt hat trotzdem probiert den Zahn bestmöglich zu erhalten und man hat gehofft, dass der Nerv die Prozedur überlebt.

Jetzt war ich gestern bei der Kontrolle und dort wurde festgestellt, dass der Nerv jetzt leider doch tot ist. Der Zahn ist wohl etwas dunkler, ich habe nicht auf Kälte reagiert und ein Röntgenbild des Zahns zeigt wohl auch die typischen Anzeichen eines toten Zahns. Ich habe aber keine Schmerzen, etc.

Mein Zahnarzt hat mir nun die Depotphorese nahegelegt. Da ich aber ab dem 22. September für 3 Wochen im Urlaub bin, wird er nächste Woche eine normale Wurzelbehandlung durchgeführt, die die Krankenkasse wohl übernimmt, damit ich im Urlaub keine Probleme bekomme. Danach soll aber wie gesagt noch die Depotphorese erfolgen. Diese kostet 660 Euro und weder die gesetzliche Krankenkasse noch meine Zahnzusatzversicherung beteiligen sich, weil es wohl eine komplette Wunschleistung von mir ist. Mir wurde nicht erklärt, was passiert, wenn ich nur eine normale Wurzelbehandlung mache und nachdem ich mich informiert habe, gibt es wohl auch Bedenken was diese Behandlung betrifft. Mein Zahnarzt setzt mich aber unter Druck, dass ich mich bis nächste Woche Dienstag entscheiden muss.

Können Sie mir bitte bei dieser Entscheidung helfen?
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Hallo,

ich kann gut verstehen, dass Sie verunsichert sind. Eine Entscheidung zwischen klassischer Wurzelbehandlung und Depotphorese sollte sachlich, transparent und ohne Druck getroffen werden. Ich erkläre Ihnen gern die Situation aus zahnärztlicher Sicht.

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1. Ihr Zahn ist devital – was bedeutet das?

Die Befunde, die Sie beschreiben (keine Sensibilität, leichte Farbveränderung, röntgenologische Zeichen), sprechen tatsächlich für einen abgestorbenen Nerv.

Dass Sie keine Schmerzen haben, ist dabei nicht ungewöhnlich.

Ein devitaler Zahn muss behandelt werden, weil sich sonst im Laufe der Zeit eine Entzündung an der Wurzelspitze bilden kann.

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2. Reicht eine normale Wurzelbehandlung aus?

In vielen Fällen: Ja.

Eine korrekt durchgeführte konventionelle Wurzelkanalbehandlung hat heutzutage eine hohe Erfolgsquote, wenn:

die Kanäle vollständig aufbereitet werden,

sie desinfiziert werden,

und dicht gefüllt werden.

Für die allermeisten Patienten ist das die Standardtherapie – und absolut ausreichend.

Sie ist medizinisch anerkannt, wissenschaftlich belegt und von den Fachgesellschaften empfohlen.

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3. Was ist Depotphorese – und braucht man das?

Die Depotphorese nutzt Kupfer-Calcium-Hydroxid und einen Stromimpuls, um das Material tief ins Kanalsystem zu bringen.

Wichtig zu wissen:

Sie ist kein Standardverfahren.

Die wissenschaftliche Datenlage ist dürftig.

Fachgesellschaften führen sie nicht als reguläre Therapieoption.

Sie wird meist dann beworben, wenn die Standardbehandlung technisch schwierig ist oder der Behandler dieses Verfahren bevorzugt.

Sie ist keine medizinische Notwendigkeit, wenn eine normale Wurzelbehandlung unter modernen Bedingungen möglich ist.

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4. Was passiert, wenn Sie nur eine normale Wurzelbehandlung machen?

Wenn die klassische Wurzelbehandlung sauber durchgeführt wird, passiert folgendes:

Der Zahn bleibt erhalten.

Die Entzündung klingt ab.

Der Zahn wird später überkront (normal bei wurzelbehandelten Backenzähnen).

Die Prognose ist gut.

Eine Depotphorese ist nicht erforderlich, um den Zahn „besser“ zu machen.

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5. Ist es problematisch, dass Sie bald in den Urlaub fahren?

Nein.

Es ist absolut sinnvoll, vor dem Urlaub eine konventionelle Wurzelbehandlung durchzuführen, damit keine akuten Probleme entstehen.

Mehr müssen Sie vor dem Urlaub nicht tun.

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6. Muss die Entscheidung bis Dienstag getroffen werden?

Nein.

Das ist eine Wunschleistung, also rein optional.

Druck ist hier nicht angemessen.

Sie können die normale Wurzelbehandlung durchführen lassen und sich danach – ganz in Ruhe, ohne Zeitstress – entscheiden, ob Sie eine Zusatzleistung möchten oder nicht.

Medizinisch besteht keine Dringlichkeit für die Depotphorese.

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7. Meine ehrliche Empfehlung als Zahnarzt

Lassen Sie die konventionelle Wurzelbehandlung machen.

Fahren Sie beruhigt in den Urlaub.

Treffen Sie danach eine ruhige Entscheidung.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.

In den allermeisten Fällen ist die Depotphorese nicht nötig, nicht besser belegt und aus fachlicher Sicht keine Pflicht-Behandlung.
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